Anfang des Jahres (und zwar ganz am Anfang vom 02. Bis 06. Januar) ist eine kleine Gruppe junger Menschen aus der Evangelischen Jugend in Hessen und Nassau e.V. (EJHN) nach Schweden in die Diözese Västerås gefahren.
Die Gruppe wurde zu einem Youth Camp eingeladen, dass parallel zu einer Tagung mit dem Schwerpunkt Demokratie stattgefunden hat. Dieses Zusammentreffen findet jedes Jahr mit wechselnden Themen in Rättvik um Epiphanias statt. Wir waren als Evangelische Jugend zum ersten Mal eingeladen. Das Programm klang schon im Vorhinein sehr vielversprechend (weitere Informationen im Anhang) und so war es keine schwere Aufgabe fünf motivierte junge Menschen zu finden, die sich mitten im Winter auf den Weg nach Schweden machen wollten. Teil der Gruppe waren Alina und Nina aus dem Dekanat Mainz, Astia aus dem Dekanat Frankfurt und Offenbach, Sophie aus dem Dekanat Büdinger Land und Colin aus dem Dekanat Nassauer Land. Die Gruppe hat sich aus motivierten jungen Engagierten zusammengesetzt und ist eigenverantwortlich ohne Hauptberufliche Begleitung nach Schweden geflogen. Vor Ort hatte die Gruppe Ansprechpersonen von den schwedischen Hauptberuflichen. Für den Flug wurde eine Klimakollekte ausgerichtet.
Das Ziel der Reise war die Freundschaft zwischen der Landeskirche EKHN und der Diözese Västerås auf Jugendebene zu stärken, Kontakte zu knüpfen und Möglichkeiten für ein weiteres Treffen auszuloten. Außerdem sollte die persönliche Erfahrung und der Spaß nicht zu kurz kommen.

Für dieses Vorhaben wurde die AG Schweden vom Zentrum Ökumene der EKHN und der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Jugend in Deutschland (aej) unterstützt. Dafür bedankt sich die Gruppe sehr herzlich.

Nach ihrer Erfahrung im verschneiten schwedischen Januar, haben die Fünf ihre Erfahrungen aufgeschrieben:

Wir fahren nicht mit einem einzelnen Highlight nach Hause, sondern mit dem Gefühl, dass diese Reise als Ganzes einfach besonders war. Von Anfang an war da eine Offenheit, die uns getragen hat: Wir wurden herzlich empfangen, umsorgt, wahrgenommen – nicht nur höflich, sondern ehrlich interessiert. Spätestens am letzten Abend, als getanzt, gelacht und gefeiert wurde und wir beinahe verzweifelten bei der Frage, wer die kleinen Geschenketütchen bekommen sollte, war für uns klar, wie sehr wir uns gegenseitig ans Herz gewachsen waren. Die Freude darüber war auf beiden Seiten groß – und sie war echt.

Überhaupt war das Miteinander geprägt von einer angenehmen Mischung aus Vertrautheit und Neugier. Wir waren Gäste, ja – auch ganz bewusst als deutsche Gruppe –, und doch fühlte sich vieles selbstverständlich an. Man merkte, dass internationale Begegnungen für die schwedische Gruppe nichts Neues sind. Das hat viel Druck rausgenommen und schuf Raum: für Schneeballschlachten und für lange Gespräche, für gemeinsames Singen genauso wie für ernsthafte Diskussionen über Demokratie, gesellschaftliche Entwicklungen und die Welt, wie sie gerade ist.

Gleichzeitig blieb manchmal auch ein leiser Zwiespalt spürbar. Oft wurden wir als „die Deutschen“ angesprochen, als Vertreterinnen eines Landes, weniger als Einzelne mit eigenen Geschichten. Die Fragen kreisten um Systeme, Strukturen und Vergleiche – weniger um persönliche Motive oder individuelle Zugänge. Das war nicht böse gemeint, aber manchmal schade, weil echte Begegnung dort beginnt, wo Menschen einander nicht nur informieren, sondern wirklich kennenlernen.

Strukturell blieb manches für uns diffus. Wer genau hierhergehört, warum Rättvik für so viele Menschen eine Rolle spielt, was Alltag und Ausnahme ist – all das erschloss sich nicht vollständig. Vielleicht muss es das auch nicht sofort. Aber es zeigte, wie vielschichtig dieser Ort ist und wie unterschiedlich selbst Menschen, die dort regelmäßig sind, ihn wahrnehmen.

Besonders spannend war der theologische Austausch. Inhaltlich fühlten wir uns oft nah, manchmal sogar sehr nah – und doch war die Sprache eine andere. Viel bildhafter, direkter, biblischer. Aussagen, die wir vielleicht nüchtern oder politisch formulieren würden, wurden hier ausdrücklich im Namen Jesu gemacht. Das irritierte zunächst, gerade weil diese Sprache bei uns andere Assoziationen weckt. Doch je länger wir zuhörten, desto klarer wurde: Es ging nicht um andere Werte, sondern um andere Vokabeln. Um eine andere Art, Glauben auszudrücken.

Ein Moment, der vielen von uns besonders nachklang, war ein theologischer Input aus Deutschland – mit Bezügen zu Dorothee Sölle und dem politischen Nachtgebet. Plötzlich fühlte sich etwas sehr vertraut an. Nicht besser, nicht richtiger – aber vertrauter. Und genau darin lag vielleicht eine der größten Stärken dieser Reise: zu merken, wie sehr Prägungen wirken, ohne dass sie trennen müssen.

Zwischen all dem Ernsthaften war da auch viel Leichtigkeit. Schlittenfahren, Schneespaziergänge, gemeinsames Kuchendekorieren in zufällig zusammengelosten Gruppen, Gespräche beim Essen, auf Wegen, spät abends. Durch das viele gemeinsame Singen wuchs etwas, das sich schnell nach Gemeinschaft anfühlte. Und obwohl schwere Themen auch Raum hatten, fühlte sich die Zeit zugleich erstaunlich leicht an – fast wie ein herausgehoben aus dem Alltag.

Jetzt, zurück zu Hause, bleibt mehr als Erinnerung. Etwas hat sich verschoben. Der Blick auf die Welt ist ein bisschen wacher geworden, der Wunsch, Dinge zu hinterfragen und sich einzumischen, ein bisschen stärker. Wir denken gerne zurück – und spüren gleichzeitig eine Sehnsucht, wiederzukommen, Menschen wiederzusehen, Gespräche fortzusetzen.

Diese Reise war kein abgeschlossenes Kapitel. Sie war eher ein Anfang.